Achim. Tierischer Auflauf am Donnerstagabend auf dem Bibliotheksplatz. Rund 50 Hundehalter hatten mit ihren Vierbeinern den zentralen Platz angesteuert, um gegen einen Leinenzwang im Stadtwald zu demonstrieren.
Initiatorin Petra Geisler übergab nach der halbstündigen Kundgebung dem Ratsvorsitzenden Hans-Jürgen Wächter 331 Unterschriften. Die Unterzeichner setzen sich gegen einen generellen Leinenzwang in dem Gebiet ein.
Stein des Anstoßes ist die Planung der Stadtverwaltung, für das Öllager auch außerhalb der Brut- und Setzzeit einen Leinenzwang zu verhängen. Petra Geisler hat sechs Aspekte zusammengetragen, die nach ihrer Ansicht gegen ein solches Verbot sprechen. Ihr Hauptargument ist, dass die Stadt keine detaillierten Gründe genannt hat, warum ein genereller Leinenzwang nötig sein soll. „Bisher wurden nur vage Vermutungen und Ängste geäußert, konkrete gefährliche Situationen hat es noch nicht gegeben“, so Petra Geisler.
Schon in früheren Gesprächen mit städtischen Politikern habe sie argumentiert, dass Hunde in der heutigen Zeit ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft seien und ein Recht auf artgerechte Haltung und somit auch Freilauf hätten. Sie ärgert sich darüber, dass viele Frauchen und Herrchen viel Geld investiert haben, um ihre Tiere gesellschafts- und familienkompatibel zu erziehen, sich somit gesellschaftlich verantwortlich verhalten. Nun sollen die Bürger, die ihre Tiere artgerecht ausführen wollen, aus dem Stadtwald ausgeschlossen sein.
Zwar wünschen sich die Demonstranten einen dauerhaften Verzicht auf Leinen, natürlich außerhalb der Brut- und Setzzeit, allerdings sind die Hundehalter auch zu Kompromissen bereit. „Wir wollen keinen Freibrief für die Öllager-Nutzung, sondern wenigstens ein geeignetes Zeitfenster, in dem wir unsere Tiere artgerecht ausführen können“, so Petra Geisler. Lediglich eine Hundewiese, auf der die Vierbeiner ohne Leine laufen dürfen, lehnt die Mehrheit der Demonstranten ab. „Eine Hundewiese in der Straße Am Oertel, die von der Verwaltung als Kompromiss vorgeschlagen wurde, ist allenfalls ein Spielplatz für die Hunde“, so Petra Geisler. Sie schlägt vor, das Areal während der Brut- und Setzzeit als Freilauffläche zu nutzen. „Das wäre für uns interessant und wünschenswert“, so die Demo-Organisatorin.
Abschließend nutzte Ratsvorsitzender Hans-Jürgen Wächter die Gelegenheit, um zu den Demonstranten zu sprechen. „In dieser Angelegenheit gibt es wohl keine Lösung, die jede Seite zufrieden stellt“, sagte er. Deshalb setze er sich für einen Kompromiss ein, mit dem alle leben könnten. Beispielsweise eine offizielle Hundewiese oder ein Zeitfenster, in dem die Tiere ohne Leine in das Öllager dürfen.
Der Vorsitzende des Stadtrates erinnerte daran, dass wegen der Brut- und Setzzeit sowieso nur über eine Zeitspanne von acht Monaten geredet werden muss. Allerdings teilte er den Demonstranten auch mit, dass es in Achim bislang noch keine Regelungen zum Leinenzwang gäbe, es in der Weserstadt aber auch noch nie Probleme in dieser Angelegenheit gegeben habe. Abschließend ließ er die Demonstranten wissen, dass auch andere Vereine und Organisationen Interesse am Stadtwald hätten, nicht nur die Hundebesitzer. Er erwähnte einen künftigen Waldkindergarten, Spaziergänger, Jugendliche auf ihrer BMX-Strecke und Laufsportler.